Musik & Revolutionen | Iba Mahr – Change (2017)

Schon seit Tagen läuft Iba Mahr’s Change in meiner Rotation. Jetzt komme ich endlich dazu, ihn mit Euch zu teilen. Iba legt seit einiger Zeit einen guten Run hin. So war etwa Haile 2016 ein sehr starker Tune und Big Machine hat meine Dancehall Dem Five Dem nur um Haaresbreite verpasst – obwohl Mr. Mahr eigentlich als Roots-Artist bekannt ist. Wahres Talent lässt sich eben nicht von Grenzen einzwängen.

Mit der Einschätzung, dass Iba als solch ein wahres Talent gelten muss, stehe ich nicht allein da. Mit Jah Raver schrieb einer der wichtigsten Reggae-Blogger über ihn:

He’s got the message.  He’s got the voice.  And he’s got the sound.

Wahr!

Change ist Iba’s Ruf nach Veränderung im System. Zwar singt er über jamaikanische Verhältnisse – wo Gewalt und Verbrechen bekanntlich eine andere Dimension einnehmen als hierzulande – doch der entfaltet auch außerhalb der Insel Wirkung. Besonders in der aktuellen Zeit. Denn wenn gefühlt überall der Rechtspopulismus erstarkt, Globalisierung und Digitalisierung die Weltgemeinschaft vor große Herausforderungen stellen und die USA neuerdings von einem unberechenbaren, vielleicht wahnsinnigen und definitiv extrem narzisstisch veranlagten Mann regiert werden – dann scheint Veränderung bitter nötig.

Lines wie die folgenden werden mit Sicherheit nicht nur in Jamaika verstanden.

dem nah seh Babylon dem a traitor /

that’s why the system is a failure

we need a change /

things need to rearrange

dis whole politics a di reason

why we are so cold & no feelings

Kritiker könnten Mahr vorwerfen, er erginge sich in Floskeln, ohne Antworten zu liefern. Die Beobachtung wäre zwar nicht völlig von der Hand zu weisen, doch Lieder sind nun mal keine politischen Programme 1. Vielmehr setzen sie Impulse. Im Bestfall bringen sie den Hörer dazu, sich mit einem Thema zu befassen. Gute politische Songs schaffen es außerdem, ein Gefühl zu artikulieren, das bei vielen Menschen latent vorhanden ist. Dann können sie durchaus zum emotionalen Unterbau für politische Bewegungen werden. Das übrigens ist nicht erst seit den ’68ern bekannt – schon Plato wusste um das revolutionäre Potential von Musik.

Ob Change in diese Liga fallen wird, bleibt abzuwarten 2. Schon heute ist allerdings klar: Der Tune ist exzellent. Losgelöst vom Inhalt ist Mahr’s Gesang unglaublich soulvoll und der Riddim Stoff von hoher – wenngleich nicht höchster – Qualität.

Von daher ist die einzige Veränderung, die Change braucht, aufmerksamkeitstechnischer Natur. Also: Listen and spread if you rate dat!

PS: Erwerben kann man den Tunes derzeit scheinbar leider noch nirgends.

Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann abonniere doch unseren Newsletter oder unsere Facebook-Seite, um keine Artikel mehr zu verpassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.